Doppelabitur und Wehrdienstreform drängen Studienanfänger ins Ausland
(Financial Times, 20. Mai. 2011) Sie haben sich im Schnelldurchlauf in acht Jahren durchs Gymnasium gequält, jetzt müssen sie in die Warteschleife: 18-jährige Abiturienten aus Bayern und Niedersachsen, die gerade ihre Abschlussprüfungen hinter sich haben, sich nun für ein Studium bewerben und zum kommenden Wintersemester vielleicht keinen Studienplatz bekommen werden. "Das wird einige Leute kalt erwischen und zu Frustration führen", sagt Hilka Leicht, geschäftsführende Gesellschafterin des International Education Centre (IEC). Vermutlich 300.000 Jugendliche werden zum Herbst ein Studium aufnehmen, darunter die ersten doppelten Abiturjahrgänge sowie junge Männer, die wegen der ausgesetzten Wehrzeit nicht eingezogen werden.
Doch die Hochschulen in Deutschland haben trotz Ausbaus über den Hochschulpakt nicht genug Plätze. Hinzu kommt, dass der Start des Zulassungsverfahrens wegen technischer Probleme verschoben wurde. Damit droht ein Chaos bei der Vergabe von Studienplätzen.
Vor diesem Hintergrund sehen viele Studienbewerber den Ausweg im Ausland. "Manche fühlen sich regelrecht weggedrängt", sagt Leicht, die Studenten an über 70 Hochschulen weltweit vermittelt.
Seit Jahren schon steigt die Zahl der deutschen Studierenden, die sich an einer ausländischen Hochschule einschreiben. Waren es vor zehn Jahren noch rund 53.000, so waren es 2008 schon fast doppelt so viele, 102.800. Und die Zahl wird weiter steigen. "Wir verzeichnen eine zunehmende Nachfrage", sagt Antje Bahrmann, Geschäftsführerin der Bildungsberatung Addisco. "Es gibt bei Abiturienten und ihren Eltern schon die Angst, in Deutschland keinen Studienplatz zu bekommen." Besonders in den beliebten Fächern Medizin, Biologie und Psychologie.
"Unsere Websites werden täglich über 4000-mal aufgerufen - gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr", sagt Peter Stegelmann, Geschäftsführer der Bildungsberatung Edu-Con. Sein Unternehmen vertritt rund 30 niederländische Hochschulen. Er wirbt im Internet, geht auf Bildungsmessen und bietet persönliche Beratung. "Das Interesse an einem Auslandsstudium ist stark gestiegen", sagt Stegelmann. Das liege auch am verknappten Angebot in Deutschland. Schon jetzt sind die meisten Studienfächer so überlaufen, dass nur Einserabiturienten den Numerus clausus (NC) schaffen. Vor allem der Zugang zu den weiterführenden Masterstudiengängen ist durch Quoten geregelt. In den Niederlanden kann hingegen jeder Student einen Masterplatz bekommen.
Von der Politik wird die Auswanderung sogar unterstützt: Seit 2008 wird die Ausbildungsförderung nach dem Bafög auch für ein komplettes Studium in einem EU-Land oder der Schweiz gezahlt. Die Änderung wurde nicht allein eingeführt, um die internationale Mobilität zu erhöhen, sondern auch im Hinblick auf die zu erwartenden Engpässe an deutschen Hochschulen. Für den deutschen Staat ist das Auslandsstudium eine Entlastung, die Studienplatzkosten fallen im Ausland an, die Studiengebühren müssen privat gezahlt werden.
Lange Zeit galt der deutsche Studentenmarkt als unattraktiv für ausländische Unis, weil es hierzulande genügend und fast überall gebührenfreie Studienplätze an guten staatlichen Hochschulen gab. Da fehlte für die meisten Studenten der Anreiz, ins Ausland zu gehen. Das hat sich jetzt geändert. Vor allem niederländische Unis werben aktiv um deutsche Studenten. Mit Erfolg: Mittlerweile studieren fast 20.000 Deutsche im Nachbarland. Die London School of Business & Finance hat eigens für Deutschland einen Recruitingplan aufgelegt. Auch Unis aus Australien, den USA und Frankreich buhlen hierzulande um Nachwuchs. "Deutsche Studenten sind international sehr begehrt", sagt Bahrmann, "weil sie eine gute Schulbildung mitbringen und leistungsorientiert sind".
An der Uni Maastricht haben sich zum kommenden Semester 3460 deutsche Studenten beworben. Derzeit studieren dort 4532 Deutsche, vor zehn Jahren waren es 1143. Die Semmelweis Uni in Budapest, an der ein deutschsprachiger Medizinstudiengang angeboten wird, hat für ihre 250 Studienplätze bislang rund 900 Bewerbungen erhalten.
Während niederländische und britische Hochschulen um deutsche Studenten werben, versucht Österreich, sie wieder loszuwerden. Die Alpenrepublik fühlt sich mittlerweile von deutschen NC-Flüchtlingen regelrecht überannt und will eine neue Regelung auf europäischer Ebene durchsetzen. Wir können nicht der Auffangplatz für deutsche Studenten sein", sagt Außenminister Michael Spindelegger. Artikel
Monday, 23 May 2011 11:46

Addisco is your partner in finding a degree
with prospects - worldwide. We represent
universities with degree programs in media,
communication & design, business and
hospitality management.